An Yasunari Kawabata

Shin’ainaru Kawabata Yasunari,
Was bringt mich dazu, Euch an einem grauen Montag zu schreiben? Es war ein Zeitungsartikel Ende vorletzter Woche, der mich an Euer Meisterwerk „Die schlafenden Schönen“ erinnerte, das mich vor einigen Jahren auf einem schwierigen Weg begleitete.
Ich fand es nicht mehr. All Eure anderen Bücher, Die Tänzerin von Izu, Schneeland, Tausend Kraniche standen noch im Regal bei den vielen japanischen Kinderbüchern, die ich einst erwarb, um Eure Sprache besser zu lernen. Sie stehen neben dem einen oder anderen Buch, an das ich mit einem Lächeln oder mit einem Stich im Herzen zurückdenke, weil sie Stunden, Tage zurückbringen, die, bei aller Süße, stets einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.
Gebrochene Liebe im Winter
Nur eben dieses Buch, die Geschichte des alten Eguchi, konnte ich nicht finden. Hatte ich es verlegt? Vergessen, wie so manches andere Buch in einem anderen Leben? War es auf einer Bank am Starnberger See liegen geblieben, vom Winde verweht oder hatte es vermocht, jemand anderen zu inspirieren? Ich weiß es nicht.
Es gab eine Zeit, in der mir Gokuroku-ojo sehr nah war. Vielleicht zu nah. In der ich zerbrochen war, wie das Eis auf diesem Bild. Heute greife ich zu Eurem Buch, verehrter Kawabata, mehr als Mahnung zu einfachem aber präzisem Erzählen. Wann immer ich es lese, verstehe ich, warum García Márquez einst großen Neid gegenüber Euch empfand. Eure Prosa führt mir stets vor Augen, wie man Äußerliches wir Innerliches mit minimalistischen Mitteln zu Papier bringen kann.

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