An Thomas Mann

München - Siegestor

Verehrter Thomas Mann,
lieber Zauberer,

in diesen Tagen, schwankend zwischen abstumpfender Langeweile und hektischer Betriebsamkeit, greife ich immer wieder einmal zu Euren Romanen und Erzählungen. Es ist vor allem der Zauberberg, der es mir seit Jahrzehnten angetan hat und zu dessen wunderbar eingängigen Persönlichkeiten ich immer wieder zurückkehre.

Auch Gladius Dei, jene Novelle, der die Stadt München das so werbewirksam vermarktete Prädikat „München leuchtet“ entnahm, lässt einen Wahlmünchner wie mich nicht unberührt. Ich weiß natürlich, verehrter Zauberer, dass Ihr damit ein ironisches Bild auf den Kunstbetrieb im Allgemeinen, vor allem im München an der Schwelle zum 20. Jahrhundert entworfen habt. In der heutigen Zeit erinnert mich Euer Hieronymus nicht mehr so sehr an Girolamo Savonarola, mit dem er mehr als nur den Vornamen teilt, sondern eher an die vielen Bußprediger, die das Internet, vor allem auf Deutsch, bevölkern.

Darf ich Euch eine Anekdote aus dem Berlin der 1920er Jahre erzählen? Als Monty Jacobs das Feuilleton der Vossischen Zeitung übernahm, drehte er sich nach der ersten Besprechung mit seinen Redakteuren an der Türe noch einmal um und sagte: „Und noch eins, meine Herren! Hierzulande Ironie cursiv!“

Wir mögen eine Woche der Meinungsfreiheit haben, eine nicht geringe Zahl von Leuten billigt diese Freiheit nur noch denjenigen zu, die ihre, als politisch korrekt erkannte, eigene Meinung bestätigen. Unsere Volksvertreter hingegen scheinen eher Eure „Betrachtungen eines Unpolitischen“ im Bücherschrank zu haben. «Ich will nicht Politik. Ich will Sachlichkeit, Ordnung, Anstand… Ich bekenne mich tief überzeugt, … daß der vielverschriene deutsche ‚Obrigkeitsstaat‘ die dem deutschen Volk angemessene, zukömmliche und von ihm im Grunde gewollte Staatsform ist und bleibt…», schriebt Ihr. Ihr werdet verstehen, verehrter Zauberer, dass ich Euch da nicht folgen kann. So mancher Politiker der Jetztzeit hingegen schon.

Ich halte es da, ehrlich gesagt, eher mit Eurem Bruder Heinrich, von dem ich letzte Woche einige schöne antiquarische Werke erwarb: „Geist ist Tat, die für den Menschen geschieht; – und so sei der Politiker Geist, und der Geistige handle!“

In diesem Sinne
Ihr
Thomas Michael Glaw

#thomasmichaelglaw #montagsblog #mediathoughtsverlag #ThomasMann

#lbm2020

Ich fiebere der Leipziger Buchmesse entgegen und hoffe, dass sie trotz Coronavirus stattfinden kann. Eine kurzfristige Absage würde nicht nur immense Kosten mit sich bringen – für die der Veranstalter natürlich „nicht verantwortlich“ ist – mir würden auch die vielen Gespräche mit Lesern, Kolleg*innen aus der schreibenden Zunft und der Verlagsbranche fehlen. Wir halten auf alle Fälle der Versand unserer Standmaterialien so lange wie möglich zurück um wenigstens da gegebenenfalls ein wenig Geld zu sparen – auch wenn der Platz langsam knapp wird.

Finis Comedia Bene 4

Doch, es stimmt.
Bene 4 – Der Tod der Liebenden – ist fertig.
Also eigentlich war er schon schon letzten Sonntag fertig, aber wir haben die ganze Woche – neben unseren normalen Aufgaben – mit editieren und korrigieren verbracht.

Ein Buch fertig stellen ist ein wenig wie ein Kind gebären. Eigentlich glaubt man, es sei noch viel zu früh, und dann …

Ich überlasse das Urteil, wie immer, meinen Leserinnen und Lesern. Wirklich zufrieden werde ich nie sein – aber das ist nun einfach meine Macke.

Wir werden das Buch am 28. November in der Buchhandlung Hacker in München der Öffentlichkeit vorstellen, ab dem 12. November können interessierte Journalistinnen und Journalisten (presse@mediathoughts.net) und natürlich unsere werten Kolleginnen und Kollegen im Buchhandel (buchhandel@mediathoughts.net) ein eLEX bestelllen.

Wer den neuen Benedict in den guten, alten  Papierform kennenlernen möchte, kann das gerne gerne nach dem 25. November tun, denn vorher liefert unsere Druckerei nicht. Voranmeldungen für ein LEX unter den obigen eMail Adressen.